FAQ - Häufig gestellte Fragen

Der Therapeut, der mit der Zeit geht, weiß, dass auf seiner Website eine FAQ zu hängen hat. Nun, hier ist sie - die Anwortliste auf häufig gestellte Fragen. Allerdings befindet sie sich im fortlaufenden Auf- und Ausbau. Momentan finden Sie Antworten auf vierzehn Fragen. Weitere Antworten werden nach und nach folgen.

Die Fragen

  • Frage 1: Wie lange dauert die Behandlung einer Angststörung oder einer Depression? Antwort ::weiter
     
  • Frage 2: Was darf ich von einem Psychotherapeuten erwarten? Antwort ::weiter
     
  • Frage 3: Gibt es Paartherapie im Rahmen einer Krankenbehandlung? Antwort ::weiter
     
  • Frage 4: Sie könnten doch Verhaltenstherapie bei der Krankenkasse beantragen und dann Hypnosetherapie im Rahmen der Kassenbewilligung durchführen -oder? Antwort ::weiter
     
  • Frage 5: Ich habe gehört, dass die Kassen auch Hypnose bezahlen. Stimmt das? Antwort ::weiter
     
  • Frage 6: Mein Freund ist eifersüchtig und behauptet ich ginge fremd. Können Sie mich hypnotisieren, damit ich ihm beweisen kann, dass ich treu bin? Antwort ::weiter
     
  • Frage 7: Wogegen hilf die Hypnosetherapie wirklich? Antwort ::weiter
     
  • Frage 8: Ich habe immer stärker werdende Ängste. Können Sie die wegmachen oder mir sagen, was ich tun muss, damit sie wieder verschwinden? Antwort ::weiter
     
  • Frage 9: Muss ich selber zum Gutachter gehen? Antwort ::weiter
     
  • Frage 10: Ich habe den Eindruck, dass einige Kassen psychotherapiefreundlicher sind als andere. Stimmt das? Antwort ::weiter
     
  • Frage 11: Ich mache seit vielen Monaten anderswo eine Therapie, aber ich habe das Gefühl, dass ich nicht weiterkomme. Kann ich mal vorbeikommen, um zu besprechen, ob ich nicht besser eine Verhaltenstherapie machen sollte? Antwort ::weiter
     
  • Frage 12: Ich habe gehört, dass in der Verhaltenstherapie die Vergangenheit und die Lebensgeschichte keine Rolle spielen. Stimmt das? Antwort ::weiter
     
  • Frage 13: Stimmt es, dass man bis heute noch nicht so genau weiß, ob Psychotherapie überhaupt wirksam ist? Antwort ::weiter
     
  • Frage 14: Mein Doktor hat gesagt, dass in der Verhaltenstherapie nur die Symptome behandelt werden, nicht aber die Ursachen der Probleme. Was ist davon zu halten? Antwort ::weiter
     

Die Anworten

  • Frage 1: Wie lange dauert die Behandlung einer Angststörung oder einer Depression?
    Eine zuverlässige Statistik, die Antwort auf diese Frage geben könnte, ist mir leider nicht bekannt. Vielleicht gibt es diese Statistik in einigen Jahren. Eine solche Statistik ist deshalb schwer zu erstellen, weil die Brauchbarkeit der Daten zur Behandlungsdauer von verschiedenen Faktoren abhängt. Sie hängt beispielsweise ab von Schwere, Dauer und Vorgeschichte einer Störung, von zusätzlichen Komplikationen (Ist eine ärztliche/psychiatrische Mitbehandlung notwendig?), von gegenwärtigen Lebensumständen und nicht zuletzt von Ihrer eigenenen Mitarbeit in der Psychotherapie.
    Deshalb lässt sich hier nur folgender grober Hinweis geben. Falls die Störung weniger als ein Jahr existiert, keine zusätzlichen Schwierigkeiten vorhanden sind, Ihre Lebensumstände nicht zu widrig und Sie gut motiviert sind, dann reichen ca. 25 Sitzungen bei sechs bis neun Monaten Behandlungsdauer. Manchmal geht's auch kürzer und manchmal dauert es halt auch länger.

  • Frage 2: Was darf ich von einem Psychotherapeuten erwarten?
    Therapeuten werden sehr oft mit Erwartungen bedacht, die bereits zur ersten Begegnung unausgesprochen mitgebracht werden und schon im ersten Telefongespräch mitschwingen. Der größte Teil dieser Erwartungen lässt sich in einem "Erwartungsquadrat" für die vom Therapeuten erwünschte ErwartungsquadratHilfestellung anordnen: Bewusst oder unbewusst wird oft angenommen, dass ein Therapeut mindestens eine der folgenden vier Funktionen erfüllt, nämlich Richter, Allwissender, Klagemauer oder Erzieher zu sein.
    Der Therapeut als Richter hat darüber zu entscheiden, wer Recht oder Unrecht im Ehestreit hat, wer die richtigen und wer die falschen Erziehungsmaßnahmen vorschlägt, wer die richtigen und wer die falschen Sätze sagt, wer normal und wer nicht normal daherredet und vor allem, wer moralisch zu verurteilen ist und wer zur Partei der Engelchen gehört.
    Der Therapeut als Allwissender ist eine gottähnliche Größe und hat als solche auf jede ungeklärte Frage des Lebens eine möglichst ein für alle Mal gültige Antwort zu geben. Darüber hinaus hat er selbstverständlich alle Zweifel, die einem so im Leben das eine oder andere Mal zwicken oder zwacken durch definitive Antworten zu beseitigen.
    Der Therapeut als Klagemauer hingegen ist voll von nie enden wollender Geduld und hört sich Sitzung für Sitzung die schlechten Gefühle seines Gegenüber mit tiefstem Verständnis an. Ununterbrochene Empathie ist das Gütezeichen eines solchen Therapeuten. Sein Credo ist der Glaube, dass das wiederholte, ausführliche Reden über die schlechten Gefühle einen fundamentalen Beitrag zur seelischen Gesundung darstelle. In seiner besonderen Ausprägung als Mutter Theresa kümmert sich der Therapeut auch um alle eventuellen Versicherungskalamitäten.
    Der Therapeut als Erzieher wiederum weiß in jedem Fall die richtige Maßnahme, die ein unerwünschtes Verhalten eines Mitmenschen, insbesondere eines schwierigen und sich ungehörig benehmenden Kindes, in geordnete Bahnen lenkt. Er weiß auch sicher, was man tun oder lassen muss, dass einem andere mögen oder zumindest dauerhaft sympathisch finden. In seiner Unterfunktion als Ratgeber hat der Therapeut stets einen praktikablen Tipp auf der Handlungsebene bereit, der selbstverständlich erprobt ist und daher zum Erfolg führt, und zwar mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, insbesondere noch in geschäftlichen Angelegenheiten.


  • Frage 3: Gibt es Paartherapie im Rahmen einer Krankenbehandlung?
    Offiziell nicht, selbst wenn es gelegentlich so gemacht wird. Es gibt auch aus therapeutischer Sicht gute Gründe, die dagegen sprechen. So stellen Paarprobleme eine hohe Anforderung an die Neutralität eines Therapeuten und diese wird fast unmöglich, wenn der Partner oder die Partnerin früher oder später in eine bereits begonnene Behandlung hineingeholt werden. Eine Paartherapie sollte als Paartherapie beginnen und enden. Außerdem ist eine nicht gelingende Beziehung keine Krankheit und man kann leicht einsehen, dass die Krankenkassen nicht für die bessere Lebensgestaltung eines Paares bezahlen wollen, sondern lediglich für die Heilung oder Besserung von Krankheiten. Auch wenn die Grenzziehung zwischen psychischer Krankheit und besserer Lebensgestaltung im Einzelnen heikel sein kann, so ist diese Unterscheidung aus dem genanntem Grund durchaus nachzuvollziehen. Deshalb sind Paartherapien und Familientherapien auch keine Leistung der Krankenkassen - und werden es voraussichtlich auch nie. Allerdings ist die mehrmalige Einbeziehung einer Partnerin / eines Partners in eine Einzelbehandlung durchaus legitim.

  • Frage 4: Sie könnten doch Verhaltenstherapie bei der Krankenkasse beantragen und dann Hypnosetherapie im Rahmen der Kassenbewilligung durchführen -oder?
    Nein. Hypnosetherapie ist ein eigenes Verfahren, das bisher keine Anerkennung durch die gesetzlichen Krankenkassen hat. Eine Mischung von Verfahren ist ausdrücklich untersagt. Hypnosetherapie wird daher von mir als zusätzliche und eigenständige Leistung angeboten.

  • Frage 5: Ich habe gehört, dass die Kassen auch Hypnose bezahlen. Stimmt das?
    Das stimmt! Allerdings steht dafür nur eine 20 minütige Abrechnungsziffer zur Verfügung, für die inzwischen fast nichts mehr vergütet wird. Damit kann man keine Hypnosetherapie machen.

  • Frage 6: Mein Freund ist eifersüchtig und behauptet ich ginge fremd. Können Sie mich hypnotisieren, damit ich ihm beweisen kann, dass ich treu bin?
    Was soll ich darauf antworten? Vielleicht dieses: Im Prinzip "Ja". Doch bedenken Sie, dass viele Menschen glauben, Hypnose mache sie bewusstlos und willenlos. In einem solchen Zustand kann man jeder oder jedem ein- oder ausreden, was man will - glauben viele. Warum sollte ihr Freund nun glauben, dass Sie in einem solchen Zustand die Wahrheit sagen, wenn er ansonsten glaubt, dass Sie lügen?

  • Frage 7: Wogegen hilft die Hypnosetherapie wirklich?
    Hypnotherapie ist kein Wundermittel, auch wenn sie immer wieder so angepriesen wird. Wunder geschehen allein schon durch die Benutzung von Worten - so steht's in Grimms Märchen. Das Wünschen geschieht mit Worten. Man sagt zu bestimmten Zeiten, an bestimmten Orten, meist dreimal einen bestimmten Satz, dann erscheint eine Helferfigur: die gute Fee, der Zauberer oder evtl. der Hypnotiseur. Letzterer sagt dann einige merkwürdige Sätze, der Wünschende gerät in einen Bewusstseinszustand, an den er sich hinterher nicht mehr erinnern kann und tags drauf sind seine Probleme verschwunden. Für wahr! Eine märchenhafte Vorstellung vom Ablauf der Hypnose. "Wunderbar! Nur eine Sitzung und Sie Rauchen nie wieder!" So steht's in der Anzeigenzeitung, auch ein Märchenblatt. Aber leider ist das Märchen eben ein Märchen. Die therapeutische Hypnose heilt ebenfalls nicht 20 bis 30 Jahre lang aufgestapelte Probleme in ein bis zwei Sitzungen.
    Auch in der Hypnosetherapie ist Ihre aktive Mitarbeit gefordert; es ist keinesfalls so, dass der Therapeut Ihnen durch irgendein Wunder mit seinen Worten Ihr Problem aus dem Kopf zieht, während Sie äußerlich und innerlich passiv im Ruhestuhl sitzen. Die therapeutische Hypnose ist ein Rahmen, innerhalb dessen der Zugang zu Gefühlen, Erinnerungen und kreativen Fantasien leichter möglich ist, weil störende Einflüsse ausgeblendet sind. Dadurch ist es Ihnen leichter möglich, innere Abläufe zu erkennen, sie in neue Zusammenhänge zu stellen und nach und nach auch umzuändern.
    Ängste und Schmerzen unterschiedlichster Genese sind schon lange ein erfolgreiches Einsatzgebiet. Kontrollierte Studien [1] belegen deren Wirksamkeit bei Migräne, Asthma, rheumatischer Arthritis, Operationsschmerzen u.a. In überraschend wenigen Sitzungen sinken die Schmerzwahrnehmungen nicht selten signifikant ab. Gleiches gilt für die körperbezogenen, sogenannten 'somatoformen' Störungen, beispielsweise Spannungskopfschmerzen, nervöses Magen-Darm-Leiden, Muskelschmerzen. Nachgewiesen ist, dass Hypnosetherapie zur Regulierung des Essverhaltens verhilft [5] und zur Raucherentwöhnung mit Erfolg eingesetzt wird. Ein weites Gebiet effektiver Behandlungen sind die Angststörungen, beispielsweise Prüfungsängste, phobische Störungen, Agoraphobien und Paniksyndrome. Insbesondere bei letzteren ist die Kombination von Hypnosetherapie mit Kognitiver Therapie sehr wirkungsvoll. Diese Feststellungen beruhen nicht nur auf Einzelfallberichten, sondern auf Vergleichsgruppenforschung im kontrollierten Setting mit Untersuchungsstichproben von mehr als 20 Teilnehmern betrieben. Hypnose als Behandlung hat in der Praxis indes einen Einsatzsbereich, der vermutlich weit über den hinausgeht, der durch Forschungsergebnisse abgesichert ist. So wird sie beispielsweise bei gemischten Beschwerdebildern eingesetzt, wie Schlafstörungen mit Ängsten und Flashbacks und diffusen Gefühls- und Erinnerungseinstreuungen, die oft längere Zeit nach traumatisierenden Erlebnissen auftreten.

    In der Psychotherapieforschung ist es international üblich, die Therapieeffekte in "Effektstärken" (ES) anzugeben. Effektstärken zwischen 0,2 und 0,5 werden als klein, von 0,5 bis 0,8 als mittel und solche jenseits 0,8 als groß bis sehr groß bewertet.
    In einer umfangreichen Recherche wurden bis 1980 mehr als 470 Studien zur Anwendung von Hypnosetherapie aufgefunden, für die die ES der Behandlungrergebnisse sehr hoch ausfiel, nämlich 1,82 [2], darunter 19 kontrollierte, experimentelle Studien zur Wirksamkeit von Hypnose [3], an denen mehr als 1000 Patienten teilnahmen. Bevorzugte Anwendungsbereiche waren Schmerzen, Ängste, Phobien, Schlafstörungen und somatoforme Störungen. Die Studien zeigen gute Effekte, insbesondere in der Besserung der Beschwerden.
    Bis 1998 stieg die Zahl der kontrollierten Studien auf 43, in denen allerdings vorwiegend die klassischen Hypnosetechniken zum Einsatz kamen. Anwendungsbereich waren somatoforme und somatische Störungen (Asthma, Schmerzen, Magengeschwüre, aber auch Warzen), Suchtverhalten (Rauchen), Angstzustände und Traumen und Unterstützung medizinischer Maßnahmen, auch und insbesondere bei Krebsbehandlungen (Schmerzen) Wegen der großen Heterogenität und der Vielzahl der eingesetzten Ergebnismaße erreicht die ES für die Wirksamkeit klassisch hypnotisch induzierter Veränderungen bis 0,9 [4], für moderne Hypnosetherapien liegt sie bei 1,2 [1]. 18 Studien zum Vergleich von Kognitiver Therapie mit oder ohne Hypnosetherapie zeigten eindrücklich, dass rund 70% der zusätzlich in Trance Behandelten signifikant bessere und stabilere Behandlungserfolge aufwiesen.[6].
    Zur Verdeutlichung dieser Zahlen sei angefügt, dass die ES für Pharmakotherapie bei Arthritis zwischen 0.4 und 0.8 sowie für Chemotherapie bei Brustkrebs zwischen 0.08 und 0.11 liegt [7]. Umgerechnet und anders ausgedrückt heisst dies: Bei richtig gestellter Indikation liegt die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Hypnosebehandlung zwischen 65% und 80%. Für eine erfolgreiche Pharmakotherapie bei Arthritis hingegen ist die Wahrscheinlichkeit nur 21% bis 36%, für Chemotherapie bei Brustkrebs rund 53%. D.h., die Erfolgswahrscheinlichkeiten für das Gelingen von Hypnosebehandlungen sind deutlich höher als die für die genannten medizinischen Behandlungen - immer vorausgesetzt, dass das jeweilige Verfahren auch die richtige Behandlungsweise ist.

    Quellen:
    Die Zusammenfassung des Forschungsstandes zur Hypnose finden Sie hier :: externer Link
    [ 1 ] D.Revenstorf. Expertise zur Beurteilung der wissenschaftlichen Evidenz des Psychotherapieverfahrens Hypnotherapie. Tübingen 2003 (Universität Tübingen).
    [ 2 ] M.L.Smith, G.V.Glass, T.L.Miller. The benefits of psychotherapy. Baltimore 1980 (Hopkins Univ Press)
    [ 3 ] K.Grawe, R.Donati, F.Bernauer. Psychotherapie im Wandel. Von der Konfession zur Profession. Göttingen 1994 (Hogrefe).
    [ 4 ] W.Bongartz, E.Flammer, R.Schwonke. Die Effektivität der Hypnose. Eine meta-analytische Studie. Psychotherapeut, 47(2), 2002, 67-76.
    [ 5 ] I.Kirsch.Hypnotic enhancement of cognitive-behavioral weight loss treatments - another meta-reanalysis. Journal of Clinical and Consulting Psychology, 64(3), 1996, 517-519.
    [ 6 ] I.Kirsch, G.Montgomery, G. Sapirstein. Hypnosis as a adjunct to cognitive-behavioral psychotherapy: a meta-analysis. Journal of Clinical and Consulting Psychology, 63(2), 1995, 214-220.
    [ 7 ] W.Lutz, K.Grawe, S.Tholen. Prognose des individuellen Behandlungsverlaufs für unterschiedliche klinisch-therapeutische Bahndlungsmodalitäten in der Verhaltenstherapie. Ztschr f. Klinische Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie, 50(1), 2002, 51-70.


  • Frage 8: Ich habe immer stärker werdende Ängste. Können Sie die wegmachen oder mir sagen, was ich tun muss, damit sie wieder verschwinden?
    Freilich wünscht jeder Mensch die Beseitigung seiner Probleme - so rasch als irgend möglich! Indes ist der lebensgeschichtliche Hintergrund, aus dem die meisten Ängste hervorgehen, bereits alt, 20 oder 30 Jahre sogar. Dennoch wäre es halt am besten, es gäbe eine technische Anleitung zur Reperatur, ähnlich wie bei einer kaputten Wasserleitung. Mit dergleichen Vorstellungen wird insbesondere die Verhaltentherapie oft beladen: Man macht irgendetwas raus, entfernt es, weil es den Fluss der Dinge verhindert: rausnehmen, rauschneiden, rausoperieren, entfernen, dann wird es hoffentlich wieder so gut, wie es angeblich vorher war, bevor diese Ängste auftauchten. Aber nichts wird auf diese Weise gut oder heil, nein, diese Art über die eigenen Gefühle zu denken, ist die Fortsetzung einer inneren Entzweiung, sie stellt so etwas wie eine innere Kriegsführung mit sich selbst dar. Man kann das Leben nicht zurückdrehen wie einen Film. Deshalb heilen auch Psychopharmaka nicht, sie bringen die unangenehmen Gefühle zum Schweigen, zumindest eine Zeitlang, aber nicht nur die unerwünschten, sondern andere auch und dadurch werden keine Probleme gelöst.

  • Frage 9: Muss ich selber zum Gutachter gehen?
    Nein! Die von den Krankenkassen und Versicherungen bezahlte Psychotherapie ist zwar gutachterpflichtig, das Verfahren besteht jedoch aus viel Papier und kein Patient muss vor einem Gutachter erscheinen. Die Krankenkassen verlangen, dass eine Therapieverlängerung oder die Umwandlung einer Kurzzeitbehandlung in ein Langzeitverfahren begutachtet wird. Die Unterlagen dafür hat der behandelnde Therapeut zu erstellen; er muss einen ausführlichen Bericht an einen Gutachter schreiben, der von der Kasse oder Versicherung bestimmt wird. Das Verfahren ist insgesamt zeitaufwendig, wird miserabel honoriert und zieht sich leider allzuoft in die Länge. Für die gesetzlichen Krankenkassen ist das Verfahren in den Psychotherapie-Richtlinien geregelt, die privaten Versicherer machen es mittlerweile oftmals genauso. Mehr :: weiter

  • Frage 10: Ich habe den Eindruck, dass einige gesetzliche Kassen psychotherapiefreundlicher sind als andere, stimmt das?
    Offiziell gibt es so etwas nicht. Erfahrungsgemäß hat man aber bis 2004 man sagen dürfen, dass die Ersatzkassen psychotherapiefreundlicher waren und die BKKs miserabel honorierten. Aber bei den momentanen organisatorischen Umwälzungen ist das längst Schnee von vorgestern. Wie es ab 2009 nach der Einführung des Gesundheitsfonds wird, weiß derzeit niemand. Einige Kassen sind telefonisch nur noch zentral zu erreichen, folglich hängt man lange Zeit in den telefonischen Warteschlaufen. Die Therapieanträge werden oft nicht (mehr) vor Ort bearbeitet, sondern reisen quer durch die Republik, dieser nach Nürnberg, jener nach Berlin, und andere nach Stuttgart. Die ortsfernen Bearbeitungsstellen können nicht einschätzen, was vor Ort wichtig ist und angemessen wäre, wodurch die Entscheidungen immer formaler werden. Von den reiselustigen Anträgen geht schon mal der eine oder andere verloren. Doch ist leider gegen solche Maßnahmen mancher Krankenkassen nichts zu machen, es sei denn jemand klagt mal wegen offenkundiger Verletzung des Datenschutzes, weil sensible Daten in nicht kontrollierter Weise quer durch die Republik unterwegs sind.

  • Frage 11: Ich mache seit vielen Monaten anderswo eine Therapie, aber ich habe das Gefühl, dass ich nicht weiterkomme. Kann ich mal vorbeikommen, um zu besprechen, ob ich nicht besser eine Verhaltenstherapie machen sollte?
    Selbstverständlich können Sie einen Termin für ein Gespräch bekommen, soweit ich eben überhaupt Termine frei habe. Aber damit ist es ja erfahrungsgemäß nicht getan. Denn ein Therapeutenwechsel ist mit einem Therapieabbruch verbunden und die von Ihrer Krankenkasse ausgestellte Therapiegenehmigung gilt für ein bestimmtes Verfahren und für einen bestimmten Therapeuten. Die Krankenkassen lassen den Therapeutenwechsel nicht so einfach zu, wie den Wechsel des Haus- oder Facharztes, auch dann nicht, wenn ein Sachbearbeiter am Telefon Ihnen bereits gesagt hat, es sei "alles ganz einfach". Einfach ist es nur dann, wenn Ihre Kasse bereit ist, Sie sozusagen 'von vorne' anfangen zu lassen. Manchmal ist es aber so, dass die Kasse die bereits abgehaltenen Stundenzahlen vom genehmigten Kontingent abzieht, wonach meistens nur noch wenige Sitzungen übrig bleiben. Das ist zwar nach den Buchstaben der Psychotherapie-Richtlinien nicht in Ordnung, vereinfacht aber die Handhabung bei Therapeutenwechsel. Doch darauf kann sich niemand verlassen; wie die Dinge aber in Ihrem Fall gehandhabt werden, das kann Ihnen nur Ihre Kasse sagen, daher ist es ratsam, dass Sie sich an Ihre Kasse wenden, bevor Sie mit mir die Frage eines Wechsels besprechen. Das gilt auch, wenn Sie privat versichert sind und Ihre Versicherung bereits einer Behandlung zugestimmt hat. Mehr :: weiter

  • Frage 12: Ich habe gehört, dass in der Verhaltenstherapie die Vergangenheit und die Lebensgeschichte keine Rolle spielen. Stimmt das?
    Da haben Sie ganz sicher was Falsches gehört. Das Verständnis für die eigene Vergangenheit und damit für die eigene Entwicklung ist durchaus wichtig, manchmal sogar sehr wichtig, obwohl die Lebensgeschichte nicht als Sammelbecken ungeklärter Ursachen betrachtet werden darf. Sogar eine persönliche 'Schulung' in Sachen Biografie kann hin und wieder notwendig sein. Erfahrungsgemäß steigt nämlich mit dem Verständnis dafür, wie die eigenen Probleme geschichtlich entstanden sind, die Motivation zu ihrer Veränderung, steigt das Vertrauen in die Behandlung und wächst das Gefühl, sich auf dem "richtigen Weg" zu befinden. Mit dem Einblick in die Zusammenhänge festigt sich auch die Einsicht in die Selbstverantwortlichkeit und die Angst vor irrationaler Beeinflussung durch den Therapeuten schwindet. Wenn man begriffen hat, dass die eigenen Probleme eine längere Geschichte haben, dann entwickelt man oft auch mehr Geduld und mehr Ausdauer bei der erforderten Anstrengung zu ihrer Veränderung. Denn es ist nicht nützlich anzunehmen, dass eine Schwierigkeit, deren Ursprünge zehn, zwanzig oder mehr Jahre zurück liegen, durch einen therapeutischen Kniff bis übermorgen zum Verschwinden gebracht werden kann. Psychotherapie ist kein Werkzeugkasten psychotherapeutischer Techniken.

  • Frage 13: Stimmt es, dass man bis heute noch nicht so genau weiß, ob Psychotherapie überhaupt wirksam ist?
    Das ist ein Vorurteil aus den 50iger Jahren des 20. Jhd. [0]. Seit diesen Tagen hat die Psychotherapieforschung ein umfangreiches Repertoire an Wirksamkeitsnachweisen zusammengetragen. Dabei sind die kognitiv- verhaltenstherapeutischen Verfahren bis heute am meisten empirisch untersucht und in ihrer Wirksamkeit am besten erforscht. International liegen dazu mehr empirisch fundierte Wirksamkeitsstudien vor als zu anderen Therapieverfahren. Nach den Kriterien der empirischen Psychotherapieforschung waren es allein für die kognitiven Verfahren und die Breitsspektrum-Verhaltenstherapien bis 1983 bereits mehr als 120 kontrollierte, experimentelle Studien [1]. Das ist ernom, denn diese Verfahren entstanden erst in den 70iger Jahren des 20. Jhd. Wohlgemerkt, es handelt sich um kontrollierte Therapiestudien; zählt man die sogenannten naturalistischen Studien hinzu, steigt die Summe sprunghaft an. Es wurden problemübergreifende Bereiche und einzelne Problembereiche untersucht, beispielsweise wurden in den Jahren 1987 bis 1997 26 kontrollierte Studien über die Wirksamkeit kognitiver Therapien bei Kopf- und Rückenschmerzen publiziert [2]. Über die Wirkungen von Hypnose liegen bis 1998 rund 200 Studien vor, darunter 43 kontrollierte Experimentalstudien [6]. Ein Hauptuntersuchungsgebiet in der Psychotherapieforschung sind die depressiven Störungen; hierfür ist die Wirksamkeit der kognitiven Therapien in der Verhaltenstherapie bestens dokumentiert [3]. Die Stärke der Effekte bei der Behandlung von Patienten mit unipolaren Depressionen übertrifft die von Psychopharmabehandlungen, auch die Stabilität der Behandlungsergebnisse ist (ein Jahr nach Behandlungsende) deutlich besser als bei Pharmakobehandlung, allerdings setzt die Wirkung später ein [4]. Kognitive Therapie beispielsweise führt bei depressiven Störungen im Vergleich mit anderen Psychotherapieformen zum rascheren Rückgang der Symptomatik [5].

    International ist es üblich, die in Studien festgestellte Wirksamkeit in "Effektstärken" auszudrücken. Effektstärken zwischen 0,2 und 0,5 werden als klein, von 0,5 bis 0,8 als mittel und solche größer 0,8 als groß bis sehr groß bewertet. Wegen der unterschiedlichen Berechnungsweisen sind die folgenden Zahlen als ungefähre Anhaltspunkte zu nehmen. Die über eine Vielzahl von Studien hinweg ermittelten durchschnittlichen Effektstärken sind für kognitiv-verhaltenstherapeutische Verfahren 1.23 [7]; für Hypnose 0.90 [6], für psychodynamische Therapien 1.05 bis 1.13 [8]; für Pharmakotherapie bei Arthritis 0.45 bis 0.77 und für Chemotherapie bei Brustkrebs 0.08 bis 0.11 [7]. Umgerechnet und anders ausgedrückt heisst dies beispielsweise: Wenn Sie eine kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlung beginnen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie diese erfolgreich beenden rund 80%. Wenn Sie hingegen eine Pharmakotherapie für Arthritis beginnen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Behandlung zum Erfolg wird nur 21 bis 36%, bei Chemotherapie gegen Brustkrebs rund 53%. Kurz, die Erfolgswahrscheinlichkeit für Psychotherapie ist deutlich höher.
    Die Frage, die die Psychotherapieforschung heute beschäftigt ist nicht mehr die nach der Wirksamkeit von Psychotherapie, sondern die nach der Art, wie sie im Detail wirkt. Mit anderen Worten, es geht heute nicht mehr so sehr um den Nachweis der Effekte, sondern um die Frage nach der Effizienz von Behandlungen [9].

    • Mehr dazu? Die Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirats zur Verhaltenstherapie vom Dez 2003 finden Sie hier :: große pdf-Datei
    • Mehr dazu? Einen Überblick zur Ergebnisforschung der letzten Jahre finden Sie hier. Teil 1 :: große pdf-Datei, Teil 2 :: große pdf-Datei
    • Mehr dazu? Vom Sinn und Nutzen einer Psychotherapieforschung. Hier :: große pdf-Datei

    [ 0 ] H-.J.Eysenck. The effects of psychotherapy. Journal of Consulting Psychology, 16, 1952, 319-324.
    [ 1 ] K.Grawe, R.Donati, F.Bernauer. Psychotherapie im Wandel. Von der Konfession zur Profession. Göttingen 1994 (Hogrefe)
    [ 2 ] C.Jähle, H.-D.Basler. Veränderungen von Kognitionen in der psychologischen Schmerztherapie. Ztschr f. Klinische Psychologie und Psychotherapie, 29(2), 2000, 127-139.
    [ 3 ] M.Hautzinger, R.de Jong-Meyers, R.Treiber, G.A.E.Rudolf, U.Thien. Wirksamkeit kognitiver Verhaltenstherapie, Pharmakotherapie und deren Kombination bei nicht-endogenen, unipolaren Depressionen. Ztschr f. Klinische Psychologie, Forschung und Praxis, 25(2), 1996, 130-145.
    [ 4 ] M.Hautzinger. Die Rolle kognitiver Verhaltenstherapie bei der Behandlung von Depressionen. Ztschr f. Klinische Psychologie, Forschung und Praxis, 25(4), 1996, 332-334.
    [ 5 ] R.Rosner, U.Frick, L.E.Beutler, R. Daldrup. Depressionsverläufe in unterschiedlichen Psychotherapieformen. Ztschr f. Klinische Psychologie, Forschung und Praxis, 28(2), 1999, 112-120.
    [ 6 ] W.Bongartz, E.Flammer, R.Schwonke. Die Effektivität der Hypnose. Eine meta-analytische Studie. Psychotherapeut, 47(2), 2002, 67-76.
    [ 7 ] W.Lutz, K.Grawe, S.Tholen. Prognose des individuellen Behandlungsverlaufs für unterschiedliche klinisch-therapeutische Bahndlungsmodalitäten in der Verhaltenstherapie. Ztschr f. Klinische Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie, 50(1), 2002, 51-70.
    [ 8 ] F.Leichsenring. Zur Wirksamkeit tiefenpsychologische fundierter und psychodynamischer Therapie. Ztschr. f. Psychosomatische Medizin, 48, 2002, 137-162.
    [ 9 ] K.Grawe. Wie kann Psychotherapie noch wirksamer werden? Verhaltenstherapie und psychosoziale Praxis, 31(2), 1999, 185-199.


  • Frage 14: Mein Doktor hat gesagt, dass in der Verhaltenstherapie nur die Symptome behandelt werden, nicht aber die Ursachen der Probleme. Was ist davon zu halten?
    Da hat Ihr Doktor 'was Schlaues sagen wollen, was ihm aber leider verünglückt ist. Meine Antwort besteht aus drei Teilen.

    • Erstens: Es handelt es sich (wie in Frage 13) um ein Vorurteil aus den 50iger und 60iger Jahren des 20. Jhd. Damals lautete der Vorwurf, eine direkte Behandlung der Symptome führe lediglich zu einer Symptomverschiebung. Für diese Behauptung hat die Psychotherapieforschung keine Belege gefunden. Alle bisher bekannten Katamnesen von kontrollierten Studien fanden innerhalb einer Zwei-Jahres-Spanne statt. Dabei wurden keine Symptomverlagerungen gefunden. Es gibt jedoch den positiven Nachweis des Gegenteils: Gute Verhaltenstherapie (z.B. bei Panik) führt auch zur Besserungen von Beschwerden, die unmittelbar gar nicht behandelt werden [10]. Offenbar können Patienten das Gelernte auch auf jene Störungen anwenden.

    • Zweitens: Die Langzeitpsychoanalyse galt jahrzehntelang als das Verfahren, mit dem krankmachende psychische Ursachen kuriert werden können. Diese Behandlungsform beansprucht 4 bis 5 Termine pro Woche und kann viele hunderte von Sitzungen dauern. Über ihre Wirksamkeit gibt es meines Wissens eine einzige, ernstzunehmende Studie, die Menninger-Studie (siehe [1] in Frage 13). Sie umfasst 42 Einzelfallanalysen mit je 50 Seiten Bericht. Für 60% der Patienten wird ein befriedigender Behandlungserfolg verzeichnet. In 5 von 11 fehlgeschlagen Behandlungen blieben die Patienten dauerhaft von der Behandlung abhängig. Nur in ca. 25% der Behandlungen entsprachen die erreichen praktischen Veränderungen dem Grad der erzielten Einsichten in die Ursachen der Störungen. Die Menninger-Studie ist keine Erfolgsbilanz für die Ursachenbehandlung psychischer Störungen. (Beachten Sie bitte, dass die Langzeitanalyse nicht gleichzusetzen ist mit der gegenwärtig durch die Kassen finanzierten psychoanalytischen Therapie oder der tiefenpsychologisch fundierten Therapie - siehe [8] in Frage 13.)

    • Drittens: Die so im Volk verbreiteten Ursachen-Vorstellungen daüber, wie psychische Probleme entstehen, sind meistens unbrauchbar. Oft wird dabei von ein oder zwei Erlebnissen ausgegangen, die irgendwann einmal in der Kindheit stattgefunden haben (oder haben sollen), und die dann als ursächlich für Symptome genommen werden, die ca 20 Jahre später auftreten. Ein solcher Begriff von Ursache ist für eine Psychotherapie (und auch sonst) nicht nur unbrauchbar, er ist auch unsinnig, was man sich folgendermaßen klar machen kann: Von einer Ursache zu sprechen macht dann einen Sinn, wenn man auch von einer Wirkung (hier Symptom) sprechen kann, die eindeutig auf eine Ursache zurückgeführt werden kann. Da stillschweigend mitgedacht wird, dass sich Ursache und Wirkung in Raum und Zeit ereignen, ergibt sich folgendes Erkenntnisproblem: Nehmen wir an, ein Erwachsener von 35 Jahren leidet plötzlich unter Angstzuständen und seinem Doktor fällt ein, dass die Ursache dafür in einem Erlebnis in seinem fünften Lebensjahr liege. Ist dieses Erlebnis eine Ursache, so kann man folgende Fragen stellen: Was hat die Ursache 30 Jahre lang gemacht, wo hat sie sich versteckt? Saß sie in der Ecke und wartete auf ihren Zeitpunkt? Wenn die Ursache und ihre Auswirkung so weit auseinander fallen, wie kann man dann feststellen, dass die Wirkung, hier also die Angstzustände, ausgerechnet die Wirkung jener Ursache sind, des Erlebnisses im fünften Lebensjahr? Da es keine Methode gibt, mit der sich dieses sicher feststellen lässt, kann es eine Reihe weiterer Ursachen geben, die alle die Ursache des Symptoms sein könnten. Damit wird aber der Begriff der Ursache unbrauchbar, weil die Argumentationskette über viele Ursachen hinweg, letztlich auf die Feststellung hinausläuft, dass alles mit allem zusammenhängt. Der einzig sichere Zeitpunkt, zu dem man wissen könnte, dass die Wirkung von einer bestimmten Ursache hervorgerufen wird, wäre der, in dem Ursache und Wirkung zeitlich zusammenfallen. Genau dann aber lässt sich Ursache von Wirkung nicht unterscheiden. Welche Erkenntnis liefert also ein solcher Begriff?

    [10] J.C.I. Tsao, J.L. Mystkowski, B.G. Zucker, M.G. Craske. Effects of cognitive-behavioral therapy for panic disorder on comorbid conditions. Behavior Therapy, 33, 2002, 493-509.

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