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© 2005-2008 by Dr. Wolfgang Palm * www.wopalm.com * Kopieren nur mit Zustimmung des Autors. Stand: Mai 2010
HypnosetherapieWährend einer Hypnosesitzung ist man sich seiner selbst und der Vorgänge, die ablaufen, durchaus bewusst. Auch kann man sich hinterher daran erinnern, was in der Sitzung erlebt wurde. Der veränderte Wachheitszustand erscheint manchen Menschen so, als seien sie "kurz vor dem Einschlafen". In Trance, dem Zustand, der durch eine Hypnoseinduktion erreicht wird, laufen inneren Prozesse in plastischeren, intensiveren Bildern ab als im Wachzustand und die Wahrnehmung von Veränderungen erscheint oftmals als deutlich gedehnt. Die Aufmerksamkeit ist auf die inneren Vorgänge gerichtet, die durch Suggestionen wachgerufen oder verstärkt werden, während die alltägliche Umwelt im Hintergrund verschwindet. Tiefe Trancezustände werden leichter von Menschen erreicht, die besonders lebhafte Phantasien und Vorstellungen entwickeln können oder die Fähigkeit besitzen, sich von einer Sache in kreativer Weise absorbieren zu lassen. Tiefe Trancen sind aber für eine persönliche Veränderung nicht nötig, ja in manchen Fällen sogar eher hinderlich.
Die Veränderung unter Trance hat etwas Spezifisches: Ihr Motor ist das direkte Erleben, die unmittelbare und eindrückliche Erfahrung, dass etwas "so war" oder "so sein wird" bzw "so sein kann". Dieses Erleben braucht keine weitere Erläuterung, man weiss dann ohne umständliche Erklärung, wie sich Stärke oder Selbstvertrauen anfühlen, man weiß sodann, wie es sich anfühlt, wenn man schmerzfrei oder oder ohne Verkrampfungen ist, man weiß, wie sich verändertes Verhalten auswirken kann. Denn unter Hypnose öffnet sich der Zugang zum kreativen Potential eines Menschen - und genau darauf kommt es für Veränderungen an. Lösungen für menschliche Schwierigkeiten, für Hindernisse, die es zu überwinden gilt, brauchen kreative Prozesse; leider liegen sie allzuoft brach oder werden durch automatisch ablaufende, kognitive Prozesse verdeckt. Hypnose ist eine Methode, mit der man sich an den automatischen Kognitionen, die unseren alltäglichen Wachzustand bevölkern, mit Hilfe von Suggestionen eine Zeit lang "vorbeizuschlängeln" kann. Das kann jedem Menschen gelingen und hängt nicht von der Hypnotisierbarkeit ab; das Erreichen einer Trance, die Veränderungen fördert, ist eine Frage der Kooperation zwischen Hypnotiseur und Klient und nicht eine Frage der Hypnotisierbarkeit. Unter Trance lassen sich störende emotionale Abläufe verändern, indem das kreative Potential freigesetzt wird. Natürlich können in Trance die störenden kognitiven Muster auch direkt oder indirekt bearbeitet werden. Physiologisch betrachtet, führt Hypnose nicht zu einem schlafähnlichen Zustand; ein Hypnose-EEG unterscheidet sich von einem Schlaf-EEG. Die EEGs von Trance-, Entspannungs- und Meditationszuständen hingegen unterscheiden sich kaum; auch in anderen physiologischen Größen wurden bisher keine systematischen Unterschiede gefunden. Auffällige Leistungssteigerung, Abbau der moralischen Urteilsfähigkeit und Aufdeckung von Wahrheit oder Lüge werden immer wieder als Ergebnisse von Hypnosesitzungen berichtet. Doch kontrollierte Experimente zeigen, dass diese Phänomene auch ohne Hypnose auftreten und daher nicht von ihr abhängig sind. Insbesondere ist die Hypnose kein Instrument zur Wahrheitsfindung und kein Lügendetektor. Beispiel
Ein Beispiel: Claudia, 39, Rechtsanwaltsgehilfin: "Eigentlich dachte ich, dass ich nicht für Hypnose geeignet bin, weil ich Schwierigkeiten habe, mich fallen zu lassen. Da jedoch unsere Ehesituation immer schlechter wurde und ich neben Schuldgefühlen zunehmend Angst davor bekam, dass mein Mann sich einer anderen Frau zuwendet, entschied ich mich, nach mehreren gescheiterten Therapieversuchen den "Strohhalm" zu ergreifen und begann eine Hypnosebehandlung. Welche Überraschung! Es tat von Anfang an einfach gut, mich und meinen Körper zu spüren in einer Atmosphäre von Ruhe und Akzeptanz. Und als sich dann meine Hände wie von allein anhoben, war ich zunehmend erstaunt und auch belustigt, wie einfach das Auslösen einer solchen Reaktion auch bei mir möglich war. Trotzdem wusste ich am Ende der Sitzung nicht, wie ich mich zu Hause gegenüber meinem Ehemann, mit dem die Situation zunehmend angespannter wurde, verhalten sollte. Die Unterstützung, die ich in der Trance erfuhr, ermutigte mich, auf mein Unbewusstes zu vertrauen und auf die vorbereitende Wirkung der Behandlung, sodass sich einige grundlegende Schwierigkeiten genauso einfach bewältigen ließen wie das Schweben der Hände. Am Anfang waren es noch drei Tage, an denen ich mich locker und entspannt verhalten konnte und bereits nach zehn Sitzungen hatte ich meine Angst, mich meinem Partner hinzugeben, gänzlich verloren und konnte unsere Sexualität genießen. Wenn ich heute wieder einmal unter Leistungsdruck gerate, besinne ich mich auf das, was ich über mich in Trance erfahren habe und bin dann in der Lage loszulassen."
Entwicklung
Hypnosetechniken sind seit ältesten Zeiten bekannt; bereits in Keilschrifttexten der Babylonier wird von Trancen oder tranceähnlichen Zuständen berichtet. Kenntnis und Ausübung des Hypnotisierens lagen damals, wie später auch noch, in den Händen von Priestern. Im Mittelalter war die Idee eines angeblich durch hypnotische Wirkung übertragenen mystischen Fluidums bekannt. Im 17.Jahrhundert prägte der Universalgelehrte und Jesuit Kircher (1602-1680) den Begriff Magnetismus, den der theologisch und philsophisch gebildete Arzt F.A. Mesmer (1734-1815) durch seine Lehre vom tierischen Magnetismus (Mesmerismus) in Europa populär machte. Der britische Chirurg J.Braid (1795-1860) schließlich suchte nach den physiologischen und psychischen Voraussetzungen des künstlichen Pseudoschlafzustandes und gab ihm den Namen Hypnose. Braids Veröffentlichungen entfachten wissenschaftliche Diskussion über Theorien und Techniken des "Hypnotismus", insbesondere in Frankreich, wo sich zwei zwei Lehrmeinungen bildeten. Während die Schule von Nancy (H.Bernheim und A.A. Liébault) den psychologischen Charakter der Hypnose betonten, führte die Pariser Schule unter dem Neurologen J.M. Charcot (1825-1893) die Hypnose auf physiologische Veränderungen zurück und deutete sie als eine Art künstliche Hysterie. Auch der Vater der Psychoanalyse, der Neurologe S. Freud (1856-1939), benutze anfangs die Hypnose zur Behandlung seiner Patientinnen. Pierre Janet (1849-1947), französischer Psychologe, Schöpfer einer Theorie des "Unterbewusstsein" (ein heute noch populärer Begriff) beschrieb Trance als kognitiven Zustand außerhalb der bewussten Wahrnehmung. Trance sei ein dissoziierter Zustand, der es erlaube, intelligent, kreativ und autonom zu handeln.
Janets Ideen wurden nach dem zweiten Weltkrieg von dem amerikanischen Psychologen Ernest R. Hilgard (1904-2001) erweitert und zur experimentellen Forschung ausgebaut. Auch der amerikanische Psychiater und Therapeut M.H. Erickson (1901-1980) wurde von Janets Arbeiten inspiriert; Erickson unterstrich jedoch zusätzlich die Bedeutung der situativen Einflüsse und der Kooperation zwischen Hypnotiseur und Klient. Auf M.H. Erickson gehen viele wichtige Neuerungen zurück. Er gilt als Meister des Verfahrens, die kreativen Potientiale eines Klienten zu nutzen. Er sprach vorzugsweise von dessen "Ressourcen". In seinen Händen wandelten sich die klassischen, direktiven Hypnoseabläufe in die heutigen Hypnoseverfahren, die mit Emotionen und Kognitionen arbeiten. Ericksons Einfallssreichtum und seine Beobachtungsgenauigkeit lassen sich nur mühsam in ein System pressen. Wenn man es dennoch tun will, so weist sein Konzept der ressourcen-orientierten Hynosetechniken fünf Schritte auf. (1) Zuerst wird die Aufmerksamkeit zentriert; unter Einbeziehung von Gewohnheiten und anderen Verhaltensweisen wird sie zur Innenwahrnehmung gelenkt. (2) Dann werden die gewohnten kognitiven Schemata durch verschiedene hypnotische Techniken - manchmal überraschend - umgangen oder außer Kraft gesetzt. (3) Es beginnt eine innere Suche ("unbewusster Prozess"), die durch indirekte Formen der hypnotischen Suggestion angeregt und unterstützt wird. (4) Die Ressourcen werden aktiviert, Gefühle, bildhafte Vorstellungen und textgebundene Gedanken assoziieren zu neuen Einsichten, Lösungen oder Vorstellungen. (5) Diese drücken sich dann oft in überraschenden Reaktionen aus, die von Klienten als autonomer seelischer Vorgang erlebt werden. Hinweise
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