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Verhaltenstherapie * Kognitive Therapie von Depressionen Verhaltenstherapie«Verhaltenstherapie» heisst im amerikanisch-englischen Therapiebereich, aus dem sie herkommt, «Behavior Therapy». Die «Verhaltenstherapie» gibt es nicht, der Name und steht für eine Sammlung von Therapieverfahren, deren Wirksamkeiten durch umfangreiche Psychotherapieforschungen untermauert sind. Leider hat sich der Name eingebürgert; treffender, doch umständlicher wäre «handlungsorientierte Therapien zur Veränderung psychischer Probleme». Kennzeichnend für diese Therapieverfahren ist, dass - nach eingehender Problemanalyse - das Problematische im eigenen Leben durch gezieltes eigenes Handeln verändert wird. Die Einsicht in die «Ursachen» allein - was immer man darunter versteht - verändert kein Problem. Die moderne «Verhaltenstherapie» hat keine einheitliche Theorie. Ursprünglich dienten die klassischen Lerntheorien (Stichworte: Stimulus, Response, Konditionierung, Verstärkung) als Begründungen, doch heute kommen diese eher aus dem weiten Feld der klinischen Psychologie, der allgemeinen Psychologie, der Entwicklungspsychologie und der Sozialpsychologie. Doch weder liefern diese Theorien ein Wissen 'wie ein Mensch funktioniert', noch stellen deren überwiegend experimental-psychologische Forschungsdesigns ein Modell dar, das in Psychotherapie umzuschmieden wäre. Psychotherapie ist etwas Eigenständiges, weder Technologie noch Kunst. Auch weiß ein Therapeut nicht, wie 'ein Patient funktioniert'. Jeder Patient ist insofern Subjekt, als er/sie fühlt, denkt und wertegeleitete Entscheidungen fällt, und solches immer schon getan hat, bevor er/sie den Therapieraum betritt und folglich vom eigenen Leben immer schon etwas mehr versteht als der Therapeut, bevor er/sie beginnt, sich mit den eigenen Störungen eingehender zu beschäftigen, um etwas Neues hinzuzulernen. |
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Praktisch hat sich der 'Anwendungsbereich' der klassischen Verhaltenstherapien (Konditionierung, Verstärkung, Modellernen) durch die kognitiven Behandlungsmethoden stark erweitert, deren Entwicklung Mitte des 20. Jhd. begann, und die neuerdings durch die auf Achtsamkeit basierenden Vorgehensweisen ergänzt werden. Wichtig für eine Behandlung ist zudem die Erkenntnis, dass die Entstehungsgeschichte einer Störung einerseits und ihre aktuelle Fortdauer andererseits, unterschiedlichen Bedingungen gehorchen. Zwar ist Genese der Störung ein wichtiger Bestandteil der eigenen Biografie, der verstanden werden sollte, jedoch liegen die Bedingungen dafür, dass die Störung fortdauert, in der Art und Weise, wie jemand sein heute Leben gestaltet. Dieser heutigen Lebensgestaltung liegt - als geschichtlich gewordene Voraussetzung - die unvermeidliche und aktiv vollzogene Anpassung eines Kindes an seine jeweils individuell schwierige, sozial-familiäre Umgebung zu Grunde. Sie führte zur Herausbildung jener kognitiv-emotionalen Schemata, die ihrerseits die heutige Störung eines Erwachsenen dirigieren (Stichwort: «Schematherapie»). Daher stehen in der Therapie die aktuellen Situationen im Vordergund und die Bewältigung der Störung findet nicht auf der therapeutischen Couch, sondern im «richtigen Leben» statt. Das bedeutet, verändertes Handeln ist unerlässlich, um die gewünschten Veränderungen zu erreichen, doch erst die Ausdauer im Umlernen stabilisiert die Verbesserungen. Die bloße «Einsicht» verändert keinen Verhaltensablauf. d.h. keinen schematisch getriggerten, automatisch ablaufenden Prozess. (Vieles an und ihm Menschen läuft automatisch ab.) Daher werden in der Therapie das aktive Herangehen an die Schwierigkeiten gefördert, beispielsweise durch Verhaltenstrainings (Problemlösetraining, Selbstsicherheitstraining u.a.) und durch Methoden zur Veränderungen von Gedankenabläufen und der damit verbundenen negativen Gefühle. Diese «Techniken und Methoden» haben der Verhaltenstherapie den Ruf eingebracht, sie sei eine Sammlung von Verhaltenstechniken für ein besseres Leben nach der Art eines Kochbuchs; ein grobes Mißverständnis, das durch die Flut einschlägiger, alltagspsychologischer Veröffentlichungen von Tipps, Tricks und guten Ratschlägen unterstützt wird. In der Therapie hingegen sind die «Techniken» zeitlich nachrangig. Zuerst kommt das Verstehen, die Veränderung der eigenen Sichtweise, das Erkennen von Zusammenhängen, dann folgt der Einsatz von «Techniken». Auch gibt es keine Behandlung nach Kochbuch. In jeder Behandlung steht die individuelle Person im Zentrum, wobei die Kommunikation zwischen Therapeut und Patient(in) und die Einbeziehung von Gefühlsabläufen genauso wichtig ist, wie Anwendung einzelner «Techniken». | |
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In der Therapie geht es um das eigene Erleben, die eigenen Gefühle, die eigenen Meinungen und die eigenen Wertungen, die immer nur in der «Erste-Person-Perspektive» (P1) geäußert werden können. Sie können nicht in die scheinbar objektive «Dritte-Person-Perspektive» (P3) überführt werden, aus der heraus Erlebnisse distanziert beobachtet und nüchtern analysiert werden können, wie das sachlich und wissenschaftlich üblich ist. Ohne aktivierte Emotionen kommt es zu keiner Veränderung. Der Therapeut (Perspektive P2) ist zugleich ein empathisch Miterlebender und ein aufmerksam Beobachtender, um den richtigen Moment für eine Intervention zu erfassen. Therapeutisch hilft nur das konkrete Erzählen und nicht das abstrakte Zusammenfassen und das übersichtliche Berichten. Denn das Abstrakte ist emotionslos und Unpersönlich. Doch nicht nur in wissenschaftlichen Berichten, sondern auch im alltäglichen Erzählen nimmt ein Hörer oder Leser oftmals P3 ein, wenn er beispeilsweise 'gute Ratschläge' zu sich nimmt, deren Nützlichkeit in anderen Zusammenhängen als erwiesen gilt, und mit denen er sich als ein Objekt behandelt. Oder man verschiebt alltagssprachlich Fragen, die nur in P1 zu entscheiden sind, nach P3 (z.B. macht man aus der Frage "Will ich weiter mit dieser Frau zusammenleben" die Frage "Soll ich mich jetzt von meiner Partnerin trennen?", d.h.man macht aus einer persönlichen Entscheidung, die mit Risiken und Folgen verbunden ist, eine moralische Frage.)
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![]() Ein Problem hat ein «Ist» und ein «Soll»; es lebt vom Scheitern der Versuche, das «Ist» zum «Soll» zu machen.
© 2010 by Dr. Wolfgang Palm * www.wopalm.com * Kopieren nur mit Zustimmung des Autors * Letzte Überarbeitung: Februar 2010 |
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