Dr. Wolfgang Palm, Praxis für Hypnose, Hypnotherapie, Verhaltenstherapie
Hucky

Irrtum 1: Lernen ist abrichten

Verhaltenstherapie  *  Kognitive Therapie 

Verhaltenstherapie

Die «Verhaltenstherapie» entstammt dem behavioristischen Therapiebereich amerikanisch-englischer Provinienz. Der Name übertitelt eine Sammlung von Therapieverfahren, deren Wirksamkeiten durch umfangreiche Psychotherapieforschungen untermauert sind. Der Sammeltitel «Verhaltenstherapie» hat sich unglücklicher Weise eingebürgert; die Therapieverfahren sollten treffender «handlungsorientierte Therapien zur Veränderung psychischer Probleme» heißen. Grundlegend ist nämlich, dass - nach eingehender Problemanalyse - durch gezieltes eigenes Handeln etwas Problematisches in sich selbst und im eigenen Leben verändert werden kann, nicht jedoch allein schon durch «Einsicht in die Ursachen», ein Ausdruck, der zu vielerlei Missverständnissen Anlass gibt.

Erste Behandlungsverfahren entstanden zu Beginn des 20. Jhds. gegen starke Ängste; im Laufe der Jahrzehnte wurde ein breites Verfahrensspektrum gegen viele psychische Störungen entzwickelt. (Zwänge, Depressionen, somatoforme Beschwerden und andere). Ursprünglich dienten die klassischen Lerntheorien (Stichworte: Stimulus, Response, Konditionierung, Verstärkung) als Begründungen, doch diese beruhen auf einen experimentellen Design, wonach ein Beobachter (Experimentator), der in der Position des Handelnden ist, an einem - meist sprachlosen - Objekt eben das «Verhalten» beobachtet und durch bestimmte Handlungstechniken beeinflusst. In diesem Design gibt es klar zu bestimmende Ausgangspunkte (für eine Behandlung), von denen weg Veränderungen qua Konditionierungen erreicht werden können. Doch dieses experimental-psychologische Design ist kein Modell, das in Psychotherapie umzuschmieden wäre - weder erkenntnistheoretisch noch praktisch! Denn jeder Patient ist insofern Subjekt, als er/sie fühlt, denkt und wertegeleitete Entscheidungen fällt, und solches immer schon getan hat, bevor er/sie den Therapieraum betritt und folglich vom eigenen Leben immer schon etwas mehr versteht als der Therapeut, bevor er/sie beginnt, sich mit den eigenen Störungen eingehender zu beschäftigen, um etwas Neues hinzuzulernen. Diese lebens-geschichtlichen Voraussetzungen sind insofern durch keine besserwisserische Theorie (auch über irgendein Unbewusstes) auszuhebeln, als sie die je eigene Individualität geformt haben, aus der heraus ein Jeder seine Lebensentscheidungen fällt und weiterhin fällen muss!

 
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Irrtum 2: Der Therapeut verkündet was falsch und richtig ist
Anders formuliert: Der Versuch, die «Erste-Person-Perspektive» durch eine scheinbar objektivere «Dritte-Person-Perspektive» zu ersetzen, funktioniert therapeutisch eben nicht! Jeder Betroffene (z.B. Patient), jeder Sprecher, der aus der «Ersten-Person-Perspektive» (P1) heraus erzählt, kennt den unaufhebbaren Unterschied zwischen etwas erleben und darüber berichten. Jeder der Versuch, diesen Unterschied seinerseits zu beschreiben, hebt ihn ebenfalls nicht auf, erzeugt indes mehr Sätze. Der Hörer (z.B. Therapeut) hingegen befindet sich in der «Zweiten-Person-Perspektive» (P2) insofern, als er ein empathisch Miterlebender ist und in einer Art vorgestelltem (fantasiertem) inneren Rollenspiel das zu ihm Gesprochene aufnimmt und in das eigene stellvertretend Erleben eingliedert. Das ist «Verstehen». Ein wissenschaftlicher Bericht hingegen spricht aus der «Dritten-Person-Perspektive» (P3) in einer dafür geeigneten Objektsprache. Doch auch in der Alltagssprache nimmt ein Hörer oder Leser oftmals P3 ein, wenn er beispeilsweise 'gute Ratschläge' zu sich nimmt, deren Nützlichkeit in anderen Zusammenhängen als erwiesen gilt, und die also an ihn als Objekt gerichtet sind. Oder man verschiebt alltagssprachlich solche Fragen, die nur in P1 zu entscheiden sind, nach P3 ("Soll ich mich jetzt von meiner Partnerin trennen?") Im Gegensatz dazu entfaltet sich der Therapieprozess in einem Wechselspiel zwischen P1 und P2 mit durchaus wechselnden Positionen der beteiligten Personen. Dadurch lassen sich jene Interventionspunkte bestimmen, die eine Veränderung von Problemen anstoßen, die mit Ratschlägen aus P3 eben nicht einzuleiten waren. Ansonsten könnte man Psychotherapie durch Computerprograme ersetzen. Der Prozess zwischen P1 und P2, in dem die Interventionspunkte bestimmt werden, ist keine «Deutung» im psychoanalytischen Sinne! Es geht vielmehr um die Bestimmung der Punkte, an denen das Handeln des Patienten einzusetzen hat, durch das sodann Veränderungen seiner Beschwerden erzielt werden. (mehr »)

Irrtum 3: Verhaltenstherapie ist eine Trickkiste
Darüberhinaus hat die Weiterentwicklung klinisch-psychologischer Modelle und Verfahren den Lerntheorien einen eingeschränkten Anwendungsbereich zugewiesen. Hierzu haben u.a. die kognitiven Behandlungsmethoden beigetragen, deren Entwicklung Mitte des 20. Jhd. begann, und die neuerdings durch die auf Achtsamkeit basierenden Vorgehensweisen ergänzt werden. Wichtig für eine Behandlung ist zudem die Erkenntnis, dass die Entstehungsgeschichte einer Störung einerseits und ihre aktuelle Fortdauer andererseits unterschiedlichen Bedingungen gehorchen. Zwar ist Genese der Störung ein wichtiger Bestandteil der eigenen Biografie, der verstanden werden sollte, jedoch liegen die Bedingungen dafür, dass die Störung fortdauert, in der Art und Weise, wie jemand sein Leben gestaltet. Dieser liegt - als geschichtlich gewordene Voraussetzung - die unvermeidliche, aktiv vollzogene Anpassung eines Kindes an seine jeweils individuell schwierige, sozial-familiäre Umgebung zu Grunde, welche zur Herausbildung jener kognitiv-emotionalen Schemata geführt hat, die ihrerseits die spätere Störung eines Erwachsenen dirigieren. Dieser Kernsatz spricht paradigmatisch den Zusammenhang zwischen Vergangenem und Gegenwärtigen in einer modernen Verhaltenstherapie aus (Stichwort: «Schematherapie»). Daher stehen in der Therapie die aktuellen Situationen im Vordergund und die Bewältigung der Störung findet nicht auf der therapeutischen Couch, sondern im «richtigen Leben» statt. Das bedeutet, verändertes Handeln ist unerlässlich, um die gewünschten Veränderungen zu erreichen, doch erst die Ausdauer im Umlernen stabilisiert die Verbesserungen. Denn die bloße «Einsicht» verändert keinen Verhaltensablauf. d.h. keinen schematisch getriggerten, automatisch ablaufenden Prozess, den es «natürlich» auch am und im Menschen gibt. Daher werden in der Therapie das aktive Herangehen an die Schwierigkeiten gefördert, beispielsweise durch Verhaltenstrainings (Problemlösetraining, Selbstsicherheitstraining u.a.) und durch Methoden zur Veränderungen von Gedankenabläufen und der damit verbundenen negativen Gefühle. Doch es sei eigens betont: eine Therapie ist keine Sammlung von Verhaltenstechniken für ein besseres Leben nach der Art eines Kochbuchs; ein so grobes Mißverständnis wird leider allzu oft mit dem Namen «Verhaltenstherapie» verknüpft und durch die Flut einschlägiger, alltagspsychologischer Veröffentlichungen von Tipps, Tricks und guten Ratschlägen unterstützt. Zuerst kommt das Verstehen, die Veränderung der eigenen Sichtweise, das Erkennen von Zusammenhängen, dann folgt der Einsatz von «Techniken». In jeder Behandlung steht die individuelle Person im Zentrum, wobei die Kommunikation zwischen Therapeut und Patient(in) und die Einbeziehung von Gefühlsabläufen genauso wichtig ist, wie Anwendung einzelner «Techniken». 

  • Ausführlicher Text über Kognitive Therapie hier »
 

Labyrinth ziel
Ein Problem hat ein «Ist» und ein «Soll»; es lebt vom Scheitern der Versuche, das «Ist» zum «Soll» zu machen.



© 2010 by Dr. Wolfgang Palm * www.wopalm.com * Kopieren nur mit Zustimmung des Autors * Letzte Überarbeitung: Februar 2010


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