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Hypnose in Zahlen

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Hypnose hat in Europa als heilkundliches Verfahren eine lange Tradition (z.B. bei psychosomatischen Leiden, Ängsten und Depressionen). Ende des 19. Jahrhunderts wurde das hypnotische Verfahren von unklaren Vorstellungen gereinigt und das Phänomen "Trance" als ein Zustand erkannt, der auch unter alltäglichen Umständen auftreten kann. In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelten sich an vielen Universitäten experimentelle Forschungen über die Wirkungen von Hypnose, die bis heute eine beachtliche Zahl von Phänomenen geklärt und für Behandlungszwecke nutzbar gemacht haben. Ängste und Schmerzen unterschiedlichster Genese sind schon lange ein erfolgreiches Einsatzgebiet. Kontrollierte Studien [1] belegen deren Wirksamkeit bei Migräne, Asthma, rheumatischer Arthritis, Operationsschmerzen u.a. In überraschend wenigen Sitzungen sinken die Schmerzwahrnehmungen nicht selten signifikant ab. Gleiches gilt für die körperbezogenen, sogenannten 'somatoformen' Störungen, beispielsweise Spannungskopfschmerzen, nervöses Magen-Darm-Leiden, Muskelschmerzen. Nachgewiesen ist, dass Hypnosetherapie zur Regulierung des Essverhaltens verhilft [5] und zur Raucherentwöhnung mit Erfolg eingesetzt wird. Ein weites Gebiet effektiver Behandlungen sind die Angststörungen, beispielsweise Prüfungsängste, phobische Störungen, Agoraphobien und Paniksyndrome. Insbesondere bei letzteren ist die Kombination von Hypnosetherapie mit Kognitiver Therapie sehr wirkungsvoll. Diese Feststellungen beruhen nicht nur auf Einzelfallberichten, sondern auf Vergleichsgruppenforschung im kontrollierten Setting mit Untersuchungsstichproben von mehr als 20 Teilnehmern betrieben. Hypnose als Behandlung hat in der Praxis indes einen Einsatzsbereich, der vermutlich weit über den hinausgeht, der durch Forschungsergebnisse abgesichert ist. So wird sie beispielsweise bei gemischten Beschwerdebildern eingesetzt, wie Schlafstörungen mit Ängsten und Flashbacks und diffusen Gefühls- und Erinnerungseinstreuungen, die oft längere Zeit nach traumatisierenden Erlebnissen auftreten.

Wirksamkeit in Zahlen. In der Psychotherapieforschung ist es international üblich, die Therapieeffekte in "Effektstärken" (ES) anzugeben. Effektstärken zwischen 0,2 und 0,5 werden als klein, von 0,5 bis 0,8 als mittel und solche jenseits 0,8 als groß bis sehr groß bewertet.
In einer umfangreichen Recherche wurden bis 1980 mehr als 470 Studien zur Anwendung von Hypnosetherapie aufgefunden, für die die ES der Behandlungrergebnisse sehr hoch ausfiel, nämlich 1,82 [2], darunter 19 kontrollierte, experimentelle Studien zur Wirksamkeit von Hypnose [3], an denen mehr als 1000 Patienten teilnahmen. Bevorzugte Anwendungsbereiche waren Schmerzen, Ängste, Phobien, Schlafstörungen und somatoforme Störungen. Die Studien zeigen gute Effekte, insbesondere in der Besserung der Beschwerden.
Bis 1998 stieg die Zahl der kontrollierten Studien auf 43, in denen allerdings vorwiegend die klassischen Hypnosetechniken zum Einsatz kamen. Anwendungsbereich waren somatoforme und somatische Störungen (Asthma, Schmerzen, Magengeschwüre, aber auch Warzen), Suchtverhalten (Rauchen), Angstzustände und Traumen und Unterstützung medizinischer Maßnahmen, auch und insbesondere bei Krebsbehandlungen (Schmerzen) Wegen der großen Heterogenität und der Vielzahl der eingesetzten Ergebnismaße erreicht die ES für die Wirksamkeit klassisch hypnotisch induzierter Veränderungen bis 0,9 [4], für moderne Hypnosetherapien liegt sie bei 1,2 [1]. 18 Studien zum Vergleich von Kognitiver Therapie mit oder ohne Hypnosetherapie zeigten eindrücklich, dass rund 70% der zusätzlich in Trance Behandelten signifikant bessere und stabilere Behandlungserfolge aufwiesen.[6].
Zur Verdeutlichung dieser Zahlen sei angefügt, dass die ES für Pharmakotherapie bei Arthritis zwischen 0.4 und 0.8 sowie für Chemotherapie bei Brustkrebs zwischen 0.08 und 0.11 liegt [7]. Umgerechnet und anders ausgedrückt heisst dies: Bei richtig gestellter Indikation liegt die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Hypnosebehandlung zwischen 65% und 80%. Für eine erfolgreiche Pharmakotherapie bei Arthritis hingegen ist die Wahrscheinlichkeit nur 21% bis 36%, für Chemotherapie bei Brustkrebs rund 53%. D.h., die Erfolgswahrscheinlichkeiten für das Gelingen von Hypnosebehandlungen sind deutlich höher als die für die genannten medizinischen Behandlungen - immer vorausgesetzt, dass das jeweilige Verfahren auch die richtige Behandlungsweise ist.

 

 

   

Quellen:
Die Zusammenfassung des neuesten Forschungsstandes zur Hypnose finden Sie hier :: externer Link

[ 1 ] D.Revenstorf. Expertise zur Beurteilung der wissenschaftlichen Evidenz des Psychotherapieverfahrens Hypnotherapie. Tübingen 2003 (Universität Tübingen).
[ 2 ] M.L.Smith, G.V.Glass, T.L.Miller. The benefits of psychotherapy. Baltimore 1980 (Hopkins Univ Press)
[ 3 ] K.Grawe, R.Donati, F.Bernauer. Psychotherapie im Wandel. Von der Konfession zur Profession. Göttingen 1994 (Hogrefe).
[ 4 ] W.Bongartz, E.Flammer, R.Schwonke. Die Effektivität der Hypnose. Eine meta-analytische Studie. Psychotherapeut, 47(2), 2002, 67-76.
[ 5 ] I.Kirsch.Hypnotic enhancement of cognitive-behavioral weight loss treatments - another meta-reanalysis. Journal of Clinical and Consulting Psychology, 64(3), 1996, 517-519.
[ 6 ] I.Kirsch, G.Montgomery, G. Sapirstein. Hypnosis as a adjunct to cognitive-behavioral psychotherapy: a meta-analysis. Journal of Clinical and Consulting Psychology, 63(2), 1995, 214-220.
[ 7 ] W.Lutz, K.Grawe, S.Tholen. Prognose des individuellen Behandlungsverlaufs für unterschiedliche klinisch-therapeutische Bahndlungsmodalitäten in der Verhaltenstherapie. Ztschr f. Klinische Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie, 50(1), 2002, 51-70.

 

 
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